Author Topic: Kreativität? Ausleben!  (Read 1796 times)

Bobby Offline de

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Kreativität? Ausleben!
« on: May 04, 2014, 12:36:32 »
Verehrte Damen und Herren,

Die Zeit ist im Wandel - Dinge kommen und gehen, aus dem Heute wird schon bald ein Gestern - und überhaupt leben wir in einer Zeit, in der scheinbar (und offensichtlich) wichtige Dinge fast spurlos an uns vorrüberziehen, ohne dass sich unsere Aufmerksamkeit genötigt sieht, sich im Erinnern zu schulen. Sei es, wenn wir den Blick aus dem Fenster werfen, und erkennen, wie machtgesteuert unsere Welt den vermeintlich Grossen unterliegt... sei es aber auch, wenn wir in uns hineinschauen, und bemerken, wie ohnmächtig wir von Zeit zu Zeit sind, wenn wir die an uns selbst gestellten Anforderungen scheinbar nicht erfüllen können - und im Zugzwang der makellos-photogeshopten, perfid-surrealen Perfektion - die keine ist - verlernen, uns mit unseren zur verfügung gestellten Mitteln Gehör zu verschaffen, ohne dass wir unter Druck geraten müssten, uns dafür zu rechtferigen, warum wir etwas so produzieren, wie wir es tun - oder das man je die Absicht hätte, etwas aus-und aufleben zu lassen, was für andere bestimmt wäre...Der Mensch lebt in einem Vakuum - in einer Art Seifenblase -  die ständig Gefahr läuft, von äusseren Einflüssen zum platzen gebracht zu werden - und gleichermaßen danach giert, sich mit anderen Ihrer Art zu verbünden, um möglichst denen zu überliegen, die beim Versuch des verschmelzens ineinander den Spagat der Transformation vom Kleinen ins Grosse nicht überstehen - zerplatzen - ohne je die Möglichkeit erhalten zu haben, die Dimension der vermeintlich Mächtigen zu erlangen.

Die Optische Täuschung deklariert, grosse Seifenblasen wären stärker als kleine...
dem ist jedoch nicht so - genausowenig wie es stimmt, dass in Ihr selbst je eine Farbe zustande käme...
Weil Lacrimosa in meinen Augen von enormer Kreativität lebt - sei es lyrisch, musikalisch - aber auch optisch - und ich mir immer mal wieder die Frage stelle, ob der Mensch zwangsläufig ein Podest benötigt, um an sein eigenes Innenleben zu gelangen, möchte ich die Frage aufwerfen, wo im gemeinen Blick Kreativität beginnt - wie äussere Impule unsere eigenen Gedanken steuern und verändern - und in welchem Maße eigener Ideenreichtum dazu beiträgt, sich gewissermaßen selbst zu therapieren.
Meiner Ansicht nach, könnten 70% der Menschen, welche psychisch und seelisch beeinträchtigt sind, ohne vorgefertigte Diagnose leben, wenn sie lernen würden/könnten, aus eigener Intension Dinge aus sich auszugraben und zu kreiieren, mit denen Sie sich selbst betrachten und reflektieren könnten. Leider wird heutzutage "Therapie" grösstenteils nur darauf ausgelegt, das Hirn möglichst ruhig zu stellen - zu unterdrücken und konzeptioniert darauf hinzuarbeiten, sich möglichst an diesen Zustand zu gewöhnen...  Und um nicht die Auffassung zu teilen, dass ein extrem grosser Teil (bestimmt auch bei den hiesigen Lesern) sicher eine mehr oder weniger bedrohliche Diagnose gestellt werden könnte, muss man sich schon als sehr gesund einschätzen.

Lange Rede, kurzer Sinn:
Jeder Mensch kann etwas. - und was genau, dazu soll an dieser Stelle dieses Thema - und die sich daran beteiligenden Menschen beitragen. Und auch wenn ich weiss, dass in den letzten Monaten die Resonanz im deutschen Teil dieses Forums einwenig nachgelassen hat, weiss ich aus früheren Zeiten, dass es einige kreative Menschen hierher verschlagen hat... und vielleicht finden sich auch Menschen, welche gern Ihre Art der "Therapie" vorstellen möchten.... sei es Musikalisch, Lyrisch - audiovisuell, zeichnerisch, fotografisch...etc.pp

Was hilft dem Menschen dabei, sich (in guten und schwierigen Phasen) auszudrücken - sich zu sehen...und vielleicht auch ein bisschen besser zu verstehen?

Ich wäre neugierig...
wie ein Wolf, als wenn ich etwas suchte, dass zu finden sich noch lohnte...

Kelaman Offline de

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Antw:Kreativität? Ausleben!
« Reply #1 on: May 25, 2014, 12:26:24 »
Es stimmt, dass manche, vermeintlich psychisch gestörte Menschen ohne Psychopharmaka und alllzu umfangreiche Therapien leben können, wenn sie kreativ tätig sind. Ich finde es sogar ungeheuer wichtig, dass in erster Linie die Leute Kunst betreiben, welche als psychisch gestört gelten, weil gute Kunst fast ausnahmslos dem sogenannten "kranken Geist" entpringt. Wenn gänzlich gesunde Personen, die im Leben nichts vermissen, Kunst bestreiben, kommt meist nur seichter Kram dabei heraus, auch wenn sie noch so sehr auf intellektuell machen.
« Last Edit: May 25, 2014, 12:40:53 by Kelaman »
"Warum können Vögel fliegen?" (Artorius Collbrande)

Bobby Offline de

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Antw:Kreativität? Ausleben!
« Reply #2 on: May 25, 2014, 16:56:17 »
man könnte darum streiten, ob überhaupt je ein Mensch den Status für sich beanspruchen könnte, gesund zu sein...
vielmehr ging es mir aber um das Bewusstsein... vielleicht - gerade in diesem Punkt - um Ärzte, die labilen Menschen vorgaukeln, Medikamente wären die Lösung Ihrer Probleme...
Es muss erst immer Samen gestreut werden, bevor Gras über etwas wachsen kann...
Leider mähen viele Menschen Ihren eigenen Rasen eben nur selten - oder - weils einfacher ist, sprühen Sie Unkraut-Ex... fern der Annahme, dass jenes "unkraut" wiederwächst...

Der Sinn des Ausgangtextes war eigentlich nur, zu hinterfragen, ob man eben auch im "eigenen Unkraut" ... Schönheit... und vielleicht Sinn entdecken kann... ohne es im ersten Moment als störend empfinden zu müssen... und sich eben mit dem Plus- und Minus der eigenen Existenz auseinandersetzen sollte...
« Last Edit: May 25, 2014, 16:59:22 by lauberbob »
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Kelaman Offline de

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Antw:Kreativität? Ausleben!
« Reply #3 on: May 27, 2014, 16:58:59 »
Sicher kann man im eigenen "Unkraut" Schönheit entdecken - oder im "Unkraut" allgemein. Das wahrhaft Schöne und Besondere spielt sich in meinen Augen nie in dem Bereich ab, den der Durchschnittsbürger als normal empfindet, sondern liegt immer außerhalb davon. Ich hab' auch schon mal Antidepressiva genommen - war nicht so der Bringer, denn nachdem ich sie abgesetzt hatte, ging es mir fast so scheiße wie am Anfang. Als ich aber meinen inneren Müll in Kurzgeschichten oder Musikstücken verarbeitet habe, brachte mich das wesentlich weiter ud heute lebe ich ohne Medikamente.
Die Frage ist doch immer die Gleiche: Wollt ihr Einfalt oder Vielfalt? Und wenn ihr Vielfalt wollt, dann hört mit jeglicher Art von Gleichmacherei auf. Gleichmacherei und Diskriminierung beginnt für mich übrigens schon bei "Vorher-Nachher-Shows" und dem gehässigen Kultivieren des Begriffe "In" und "Out".
« Last Edit: May 27, 2014, 17:07:58 by Kelaman »
"Warum können Vögel fliegen?" (Artorius Collbrande)

Bobby Offline de

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Antw:Kreativität? Ausleben!
« Reply #4 on: May 28, 2014, 04:09:19 »
vorgekauter Brei lässt sich eben besser schlucken...
...und der Volksmund sagt, dass das, was auf den Tisch kommt, gefälligst gegessen wird.
Bedauerlicherweise macht es die Bequemlichkeit, dass andere für Einen denken, dem Menschen nicht gerade schwerer, sich eben auf die Gefahr hin fallen zu lassen, um am Ende eventuell fremdgesteuert - sei es eben durch allmächtige Ärzte - oder eben die von dir angesprochenen TV-Sendungen so manipuliert zu werden, dass es einen am Ende gar nicht mehr interessiert, was im eigenen Kosmos von Bedeutung ist. Ich hatte diesbezüglich letztens auch ne schöne Situation: Vor ein paar Tagen hab ich meinen knapp 12jährigen Neffen von der Schule abgeholt - und wie´s halt so ist, schaltet man Nachmittags ab und an eben mal den Fernseher ein... Er schaltete auf eine Sendung, die für mich ganz offensichtlich von Laiendarstellern inszeniert wird, aber suggeriert, dass das, was da gezeigt wird, real sei... Klar, dass ein heranwachsender in dem Alter ( und auch viele "Erwachsene" ) kaum den Unterschied erkennt, zwischen 3.-klassiger Laiendarstellung inklusive vorgegaukeltem Realismus und wahren Geschichten. Jedenfalls teilte er mir mit, dass er die Sendung ganz gern schaue, woraufhin ich Ihm meine Abneigung an solchen Formaten erklärte, und dass eben viele dieser Sendungen im Fernsehen laufen.

Das Ding ist, dass er mich neuerdings immer fragt, ob die und die Sendung echt oder nachgestellt sei... und ich merke, dass er seinen Blick darauf geändert hat, weil er diesbezüglich ein klein bisschen mehr Wahrheit erfahren hat.

Was ich damit sagen will: Den Blick auf etwas zu ändern würde helfen, dass eben soetwas wie die von die angesprochenen Vorher-Nachher Shows....oder eben der ekelhafte Pseudorealismus - oder konstruierte Idealbilder keinen Bestand hätten. - Gleichermaßen eben auch, wenn Menschen einen anderen Blick auf sich selbst bekämen, ohne Angst davor zu haben, etwas an sich zu verlieren, sondern vielmehr stolz darauf wären, neues an sich zu entdecken...



Btw.
Und, aus eigener Erfahrung heraus darf ich sagen, dass man die spannendsten Menschen in Psychiatrien kennenlernt!
Und fern dem Bild "verrückt" sein zu müssen, leidet in meinen Augen weniger das Bild der Betroffenen Leute, die da zum grossen Teil "einsitzen", sondern vieleher das der Teils selbstgefälligen "Elite" an Pflegern, Psychologen und Pychiatern - welche gut daran täten, mehr auf Augenhöhe mit dem Menschen vor Ihnen zu sein...
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Kelaman Offline de

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Antw:Kreativität? Ausleben!
« Reply #5 on: May 29, 2014, 11:54:31 »
Die Psychiatrien sind voll von interessanten Menschen - ich arbeite bereits seit 2003 in einer solchen Einrichtung. Und bei vielen ist es wirklich so, dass sie mit sich kein Problem haben, sondern nur ihre Umgebung mit ihnen nicht warm werden will.
Die meisten Außenseiter oder sogenannten "Freaks" tun in der Art, wie sie sind, niemandem weh, dennoch kriegen sie permanent zu hören, dass sie sich ändern sollen. Aber Personen, die es sich zur Lebensaufgabe machen, andere Menschen zu maßregeln, dürfen bleiben wie sie sind. Wobei die Veränderungswut an anderen Menschen seit den frühen 2000er Jahren rückläufig ist. Maßgeblich für den beginnenden Umdenkprozess mitverantwortlich waren (man darf es nicht zu laut sagen) die "Amokläufe" in Erfurt, Emstetten und Winnenden. So brutal diese Ereignisse auch gewesen sein mögen, so wichtig waren sie rückblickend für die gesellschaftliche Weiterentwicklug. Sie machten uns nämlich schmerzhaft bewusst, dass unsere ach so fortschrittlichen, ich nenne sie mal "Lifestyle-Spießer" 15-20 Jahre lang einer Moral hofiert haben, die Außenseiter schafft, Arschlochqualitäten fördert und empfindsamen Naturellen nach dem Leben trachtet. Am 26.4.2002 in Erfurt kam (in Deutschland) erstmals ein Außenseiter zurück an die Stelle seiner Qualen, um in die Ärsche zu treten an denen er abgewischt wurde. Über Nacht mussten die sogenannten "Winner-Typen" lernen, wie es sich anfühlt, wenn man am Pranger steht, nur weil man so ist, wie man ist. Die Außenseiter kennen dieses Gefühl bereits seit Jahrzehnten.
Wer Schwierigkeiten hat, meine Argumentationskette nachzuvollziehen, dem empfehle ich, sich mal den Film "Ben X" anzuschauen.
« Last Edit: May 29, 2014, 12:07:30 by Kelaman »
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Antw:Kreativität? Ausleben!
« Reply #6 on: May 29, 2014, 19:55:18 »
... Ich glaube schon zu erahnen, in welche Richtung sich deine Gedanken bewegen, und habe beim Lesen ein leichtes, innerliches Nicken verspürt. Wobei man gewiss Abstriche machen muss, was Ursache und Wirkung im Rahmen einer von Normen geprägten Gesellschaft / Welt angeht. Da spielt sicher auch die Frage rein, wie "stark" bzw. wie sehr dieser Mensch emotional angreifbar ist, welcher eben nicht der Norm entspricht, die von jenen vorgegebenen wird, die sich mehrheitlich für eine Lebensweise entschieden haben, welche eben andere nicht leben wollen / können.

Persönlich rechtfertigt das für mich aber nicht, dass man seinen Kopf gänzlich "ausschaltet"...
Im alten Testatement hieß dass "Auge um Auge - Zahn um Zahn", glaube ich...

Aber ne interessante Richtung, die du eingeschlagen hast -  weil´s einerseits psychologisch wirklich interessant ist... auch, wie in deinem beschriebenen Fall, gewissermaßen nach Opfer und Schuldigen gleichermaßen zu suchen...ohne nur eindimensional den Deckel zuzumachen... andererseits ist das - denke ich - auch ne Gewissensfrage, für sich zu entscheiden, was man gutheissen kann - und zu was man selbst vielleicht in der Lage wäre...

Logik kann noch so überzeugend sein... wenn sich trotz aller guten Argumente alles in einem sperrt, ist das vielleicht ein gutes Zeichen... - und dann sollte man einfach drüber nachdenken.
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Bobby Offline de

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Antw:Kreativität? Ausleben!
« Reply #7 on: May 29, 2014, 20:43:29 »
Nebenbei, weil ich mich eben über den von dir erwähnten Film informiert habe, möcht ich an dieser Stelle ebenfalls einen Filmtipp abgeben, welcher sich meiner Ansicht nacht gut in dieses Thema einfügt. Angelehnt an das, was manchmal in zwischenmenschlichkeit untergeht... und weil ich von diesem Film uneingeschränkt beeindruckt bin...

Fremder Freund // Elmar Fischer
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Kelaman Offline de

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« Reply #8 on: May 31, 2014, 10:22:25 »
@Lauberbob: Danke für den Filmtipp! Möchte mich sogleich damit beschäftigen...
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